Bau & Immobilien Report 2/99

Die Verhinderten
Bauten, die nie verwirklicht wurden: Der "Report" erstellt eine Liste der spektakulärsten Projekte, die Opfer von Politik und Ignoranz wurden.

Auszug

Das geht an die Substanz.
Am wenigsten können es sich Jungarchitekten leisten, an Wettbewerben nicht teilzunehmen. Für sie sind Wettbewerbe eine der raren Möglichkeiten, um die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam zu machen. Wenn ihre Siegerprojekte auf die lange Bank geschoben werden, geht es an die Substanz. Das Atelier in der Schönbrunnerstraße wartet beispielsweise seit vier jahren auf die Realisierung seines Entwurfs zum Technischen Museum und das Architektenteam Mascha & Seethaler beinahe ebenso lang auf die Umsetzung seines Projekts "Philadelphia".
Das Einkaufs-, Büro- und Wohnzentrum an der Philadelphiabrücke in Wien ist nicht das erste Sorgenkind der beiden nicht mehr ganz Jungarchitekten. 1991 war ihr "Boot", eine im Donaukanal schwimmende Anlage mit Büro-, Ausstellungs- und Wohnräumen im Behördensumpf untergegangen. Als der Entwurf fertig und die Finanzierung gesichert war, legte sich das Magistrat quer und verhinderte die schwimmende Konstruktion. Der Kanal blieb ungenutzt. Mascha & Seehtlaer hoffen immer noch auf einen baldigen Baubeginn bei "Philadelphia", nach ihrer Erfahrung mit dem "Boot" sind sie jedoch mehr als skeptisch. Christian Mascha: "Wir Architekten müßten eigentlich Abschlagshonorare verlangen, wenn Siegerprojekte nicht gebaut werden." Damit, so Mascha, könnten die Behörden erzogen werden, die Architekten nicht als Ideenlieferanten zu mißbrauchen und die kostspieligen Entwürfe einfach ad acta zu legen.
Obwohl der Ideenreichtum der österreichischen Architekten immer wieder zurückgestutzt wird, lassen sie sich von den Behörden nicht ins Bockshorn jagen. "Ohne Risiko gibt es keinen Spaß", meint Christian Mascha. Das Opernhaus in Sydney wurde schließlich auch gebaut, obwohl der Entwurf die Wettbewerbsbedingungen nicht erfüllt hat und als Oper völlig unbrauchbar ist. Heute ist es das bekannteste Wahrzeichen Australiens. "Es gibt immer wieder Pausen, wenn man aber beharrlich denkt, kommt es irgendwann einmal", meint Wolf Prix und verspricht, seine Diplomarbeit nachzuholen, falls er in Österreich bauen darf.