Bau & Immobilien Report 2/1998

Dynamik am Bau
Von der Angst der Architekten, Behörden und Bauherren

Eine Sache plagte junge Architekten immer schon. So toll die Entwürfe, so genial die Lösungen auch sein mögen, die Gewißheit, daß all das zu Papier gebrachte in den "Rundordner" oder bestenfalls als ausgezeichnetes Projekt in einem Architekturmagazin landet, ist schlicht frustrierend. Die wahre Kunst in der Architektur scheint darin zu bestehen, Projekte auch durchzusetzen. Das lernt man nicht in der Hochschule und auch nicht unbedingt in der Praxis, denn die lehrt eher den Weg des geringsten Widerstandes und der Gewohnheitsarchitektur.

Die beiden jungen Architekten Christian Mascha (37) und Christian Seethaler (38) haben deswegen versucht, den Hemmnissen auf den Grund zu gehen. Seethaler: "Die Architekten leben oft in einer extrem eitlen Welt. Sie beweihräuchern sich gern selbst und kümmern sich zu wenig um Kontakte nach außen." Deswegen machte sich das junge Architektenteam, das sich nicht nur dem Entwurf, sondern auch der internationalen Lehr- und Forschungstätigkeit verschrieben hat, die Mühe, nicht nur die eigenen Sehnsüchte und Ängste zu erforschen sondern gleichfalls die der Klienten, Beamten und Politiker.

Intensive Einbeziehung in die Projekte sowie Hunderte Zeichnungen und Entwürfe brachten Vertrauen - auch für Neues und Ungewohntes und auch von Behörden und Politikern. Realisierte Einfamilienhäuser etwa in Mödling, Baden oder Wien sind ein Beweis dafür. Für die "Gold Halle" in Wien erhielt Mascha & Seethaler den Staatspreis für gewerbliche und industrielle Bauten. Aufsehen erregte auch "Das Boot", ein nicht verwirklichtes Projekt am Donaukanal in Wien.

Gemeinsam mit Heinz Neumann gewann das Duo für ein Großprojekt in München den Preis für innovativen Städtebau. Eine Vielzahl weiterer Projekte mit Partnern - etwa der Philadelphia-Turm in Meidling oder ein Wohnbau in Graz - stehen knapp vor der Realisierung. Das neueste Ziel von Mascha & Seethaler: Die rigiden Bebauungsordnungen, die kaum auf gesellschaftliche Entwicklungen Rücksicht nehmen, durch eine dynamische Bebauungsmatrix zu ersetzen. So könnte bei jedem Projekt optimal auf alle ortsrelevanten Einflüsse eingegangen werden.