Falter Nr. 34/1997

HAUSBOOTE
Abgesoffen

Mit steter Regelmäßigkeit wird das Thema "Hausboote in Wien" in Stadtratbüros ventiliert, bis dato liegt allerdings erst das WIGAST gehörende "Classic Rock Café" als fix verankertes Schiff im Donaukanal. Bereits in einem 1992 vom damaligen Planungsstadtrat Hannes Swoboda vorgestellten Donaukanal-Wiederbelebungskonzept wurde die Möglichkeit eingeräumt, im 3. und 11. Bezirk Hausboote anlegen zu lassen. Der innerstädtische Bereich sei "aus nautischen Gründen" (30 Meter Mindestfahrwasserbreite) nicht geeignet. Trotzdem betont auch die Bezirksvorstehung Alsergrund nach wie vor, jedwede Belebung des Donaukanals fördern zu wollen.

"Mit gewisser Wehmut" denkt Joe Ofenböck an sein Hausboot zurück. Wobei es sich bei Ofenböcks "Hausboot" um ein Modell im Maßstab 1:100 handelt, das seit Juni 94 in seiner Werbeagentur in Hietzing steht. Geplant war es umgekehrt: 1990 wollte Ofenböck seine Agentur in den Donaukanal übersiedeln. Das damals unter dem Namen "6B" firmierende Architekturbüro Mascha & Seethaler entwarf ein "Agenturboot", die notwendigen statischen Gutachten wurden erstellt. Ofenböck fühlte bei den zuständigen Magistratsbeamten vor, erhielt von ihnen (darunter vom damals fürs Wasser zuständigen Bruno Domany, der den Plan auch heute noch für ein "lustiges und innovatives Projekt" hält) sowie von den Bezirksvorstehern des 2. und 3. Bezirks (das Boot sollte 250 Meter unterhalb der Aspernbrücke liegen) aufmunternde Zurufe, die anderswo als de-facto-Genehmigung gegolten hätten - nicht so in Wien. "Wir sind letztendlich am damaligen Planungsstadtrat Hannes Swoboda gescheitert" meint Ofenböck heute. Der Stadtrat habe durchblicken lassen, daß man sich vielleicht ausreichend um die Beamtenschaft gekümmert, die Rechnung allerdings ohne die politischen Mandatare gemacht habe. "Da gab es viele Justament-Entscheidungen", erinnert sich Ofenböck. Auch Bruno Domany trauert heute noch: "Es gab einen Diskurs, ob eine so private Nutzung auf eine öffentliche Wasserfläche wie den Donaukanal paßt, außerdem befand man das Schiff als zu groß im Vergleich zu den umliegenden Einrichtungen."

Zweieinhalb Jahre dauerte Ofenböcks Irrweg durch die politische Landschaft, bis er im Juli 94 das endgültige "Nein" erhielt: "(...) wurde neuerlich klargestellt, daß im Bereich Donaukanal lediglich solche Nutzungen in Frage kommen, die im Sinne einer auch inhaltlichen Attraktivierung dieses Stadtraumes gänzlich der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen" (letzter Brief aus dem Stadtratbüro). Eine Million Schilling allein an Honoraren und Gebühren setzte Ofenböck in den Sand, gekostet hätte das Boot "zwischen 25 und 30 Millionen". Inzwischen hat sich Ofenböck von seinem Agenturboot verabschiedet, nicht jedoch vom Projekt selbst. Ende September werden die Architekten Christian Mascha und Christian Seethaler bei Swobodas Nachfolger Bernhard Görg vorstellig werden, um eine Wiederbelebung der Hausbootidee zu besprechen. Nutzen soll es dann allerdings jemand anderer.